Das ABER – Warum dieses kleine Wort so viel blockiert
Woher kommt das Wort?
Das Wort „aber“ stammt aus dem Althochdeutschen „avur“ bzw. „avar“, was ursprünglich „abermals“, „wiederum“ oder „dagegen“ bedeutete. Es ist verwandt mit dem gotischen „afar“ (danach, hinterher) und dem lateinischen „ab“ (von, weg).
Die Wurzel zeigt bereits die Grundbedeutung: Abwendung, Gegensatz, Trennung. Das Wort trägt in seiner DNA die Energie der Negation und des Widerspruchs.
Was bedeutet „aber“ wirklich?
Auf den ersten Blick ist „aber“ eine harmlose Konjunktion – eine adversative Konjunktion, die einen Gegensatz einleitet. Doch in der Kommunikationspsychologie hat das Wort eine viel tiefere Wirkung:
Das „Aber“ ist ein Radiergummi
Es löscht alles aus, was davor gesagt wurde. Beobachte diese Sätze :
- „Deine Idee ist gut, aber…“
- „Ich verstehe dich, aber…“
- „Du hast recht, aber…“
Was bleibt hängen ? Nicht die Anerkennung davor, sondern nur das, was nach dem „aber“ kommt. Das „Aber“ signalisiert : „Vergiss, was ich gerade gesagt habe – jetzt kommt die Wahrheit.“
Das „Aber“ ist ein Abwehrmechanismus
Psychologisch betrachtet nutzen wir „aber“ oft, um:
- Uns selbst zu schützen vor Veränderung
- Verantwortung abzulehnen
- Ausreden zu konstruieren
- Distanz zu schaffen
- Konflikte zu vermeiden (während wir sie gleichzeitig erzeugen)
Das „Aber“ ist ein Energieräuber
Es stoppt den Fluss. Es bremst Momentum. Es tötet Begeisterung. Wenn jemand eine Idee präsentiert und du antwortest mit „Ja, aber…“, dann hast du gerade die Energie aus dem Raum gesaugt.
Warum ist „aber“ so schädlich und blockierend ?
1. Es negiert Anerkennung
Selbst wenn du etwas Positives sagst, macht das „aber“ es zunichte. Die andere Person fühlt sich nicht wirklich gehört oder wertgeschätzt.
2. Es verhindert Dialog
„Aber“ ist kein Brückenwort – es ist eine Mauer. Es signalisiert : „Ich bin nicht offen für deine Perspektive, ich habe bereits meine Position.“
3. Es hält uns in Rechtfertigung gefangen
„Ich würde ja gerne, aber…„ – Wie oft nutzen wir „aber“, um uns selbst zu erklären, warum wir etwas nicht tun können ? Es ist die Sprache der Selbstbeschränkung.
4. Es erzeugt Widerstand
Neuropsychologisch aktiviert das „Aber“ im Gehirn des Gegenübers Abwehrmechanismen. Menschen gehen automatisch in eine defensive Haltung.
5. Es blockiert Kreativität
Im Brainstorming oder bei Innovation ist „aber“ der Killer. Es stoppt den Ideenfluss, bevor er überhaupt entstehen kann.
Womit kann ich „aber“ ersetzen?
Die gute Nachricht: Es gibt viele kraftvolle Alternativen, die öffnen statt blockieren.
1. „UND“ – Das Brückenwort
Statt: „Deine Idee ist gut, aber unrealistisch.“
Besser: „Deine Idee ist gut, und ich frage mich, wie wir sie realisierbar machen können.“
Das „und“ verbindet statt zu trennen. Es erlaubt beiden Perspektiven, gleichzeitig zu existieren.
2. „GLEICHZEITIG“
Statt: „Ich verstehe dich, aber ich sehe es anders.“
Besser: „Ich verstehe dich, gleichzeitig habe ich eine andere Perspektive.“
Dies anerkennt Komplexität ohne Widerspruch zu erzeugen.
3. „WAS WÄRE, WENN…“
Statt: „Das geht nicht, aber…“
Besser: „Was wäre, wenn wir es so versuchen würden…“
Dies öffnet Möglichkeitsräume statt sie zu schließen.
4. Pause + Neuformulierung
Statt: „Ja, aber hast du an X gedacht?“
Besser: „Ja. [Pause] Hast du auch X in Betracht gezogen?“
Die Pause gibt beiden Aussagen Raum. Sie müssen nicht gegeneinander kämpfen.
5. „AUCH“ oder „ZUSÄTZLICH“
Statt: „Das stimmt, aber es gibt noch andere Faktoren.“
Besser: „Das stimmt. Zusätzlich gibt es noch andere Faktoren.“
6. Einfach weglassen
Oft brauchen wir das „aber“ gar nicht:
Statt : „Ich würde gerne kommen, aber ich habe keine Zeit.“
Besser : „Ich würde gerne kommen. Ich habe keine Zeit.“
Zwei klare Aussagen. Keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung.
7. „DENNOCH“ oder „TROTZDEM“ (wenn wirklich ein Kontrast nötig ist)
Diese Wörter drücken einen Gegensatz aus, ohne die vorherige Aussage zu entwerten :
„Ich sehe die Herausforderungen. Dennoch glaube ich, dass es möglich ist.“
Praktische Übung : Der 7-Tage-Aber-Detox
Tag 1-2: Bewusstsein
Zähle, wie oft du „aber“ sagst oder denkst. Einfach nur beobachten, ohne zu urteilen.
Tag 3-4: Pause
Jedes Mal, wenn du „aber“ sagen willst, halte kurz inne. Atme. Formuliere neu.
Tag 5-7: Ersetzen
Nutze aktiv die Alternativen. Experimentiere mit „und“, „gleichzeitig“, „was wäre wenn“.
Die Transformation
Wenn du das „Aber“ aus deiner Sprache (und damit aus deinem Denken) entfernst, passiert etwas Magisches:
- Du wirst lösungsorientierter – statt Probleme zu betonen, suchst du Wege
- Deine Beziehungen verbessern sich – Menschen fühlen sich gehört und wertgeschätzt
- Du wirst mutiger – ohne das „aber“ fallen viele Ausreden weg
- Deine Kreativität explodiert – Ideen können fließen ohne sofortige Blockade
- Du übernimmst Verantwortung – „Ich würde ja, aber…“ wird zu „Ich entscheide mich…“
Schlusswort
Das „Aber“ ist nicht böse – es ist ein Werkzeug. Doch wie ein Hammer, der für alles benutzt wird, kann es mehr kaputt machen als reparieren.
Die Frage ist nicht, ob du das „Aber“ komplett aus deinem Wortschatz streichst. Die Frage ist: Wann dient es dir, und wann blockiert es dich?
Und wenn du merkst, dass es dich blockiert – dann hast du jetzt die Werkzeuge, um es zu ersetzen.
Dein Scoutbus-Reminder:
Jedes Mal, wenn du „aber“ sagen willst, frage dich:
„Will ich hier eine Brücke bauen oder eine Mauer errichten ?“
Dann wähle deine Worte entsprechend.